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Die Sonne der Engel und Dämonen
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 Betreff des Beitrags: Weihnachtswunder
BeitragVerfasst: 09.01.2007, 15:16 
Also, das ist miene Story, die ich für den Adventskalender im Forum geschrieben hab.
Is meine erste richtige Geschichte^^

Weihnachtswunder
Ich wachte von der strahlenden Wintersonne, die durch meinen Vorhang fiel, auf. Langsam öffnete ich meine Augen und wusste sofort, es war Heiligabend. Das große Schokoladenstück in Törchen Nummer 24 schmeckte bitter, einfach scheußlich! Im Gegensatz zu allen anderen Teenies in meinem Alter hasste ich Heiligabend! Ich hasste ihn seit genau 4 Jahren!
Denn am Heiligabend vor 4 Jahren kam der Anruf, der das Leben unserer ganzen Familie veränderte. Ich erinnere mich noch genau. Wir saßen alle am schön gedeckten Tisch. Heiligabend und der 20. Geburtstag meines großen Bruders, das musste doch gefeiert werden! Wir waren alle da und alle in Hochstimmung, außer mein Bruder, der uns eine Überraschung versprochen hatte. “Ein richtiges Weihnachtswunder!”, hatte er neckisch gesagt und war deshalb noch schnell mit dem Motorrad rausgefahren um es zu holen... das Telefon klingelte. "Ich geh schon!" "Rieke Brücks?", meldete ich mich fröhlich. "Sind Sie verwandt mit Jakob Brücks?" "Ja, seine Schwester, was ist denn?" "Ich bin Dr. Overkamp vom städtischen Krankenhaus... Ihr Bruder... ist in einen Verkehrsunfall geraten. Wir haben ihn Notoperiert. Er liegt im Wachkoma. Es tut mir leid." "W-Was?", ich weiß noch immer genau, wie diese Worte sich langsam in mein Bewusstsein eingruben und meinen ganzen Körper lähmten. Der Telefonhörer glitt mir aus der Hand. Was dann geschah, war für mich so unwirklich und unverständlich wie noch nie etwas zuvor. Ich stand völlig neben mir und schien die ganze Szene nur von oben zu beobachten, ohne ein Teil von ihr zu sein. Mama hob den Hörer auf und meldete sich. Nach einigen Sekunden schlug sie die Hand vor den Mund, ihre Augen füllten sich sofort mit Tränen. Sie legte einfach auf, ohne noch etwas zu sagen und erklärte - auf dem Boden zusammengebrochen- alles Papa. Ehe ich es mich versah, saß ich in unserem Auto, wir rasten Richtung Krankenhaus. Den Wagen hielt Vater direkt vor dem Klinikeingang, Parkverbot? Nichts schien in diesem Moment so lächerlich und unwichtig wie diese Regel! Alles, was zählte, war Jakob! Wir stürmten zum Empfangsschalter und forderten nach Dr. Overkamp. Nach einigen Minuten, die wie ein Ewigkeit erschienen, trat er hinter uns und führte uns zu Jakobs Zimmer. Wie er da lag! Diesen Anblick würde ich nie vergessen, er brannte sich in mein Gehirn hinein, unerbittlich und nicht wieder weg zu kriegen. Überall ragten Schläuche aus ihm heraus, ein dicker Gips umfasste sein rechtes Bein. Und sein Gesicht! Die Augen geschlossen, die Haut ganz Bleich, die Wangen eingefallen. Der Arzt sagte, es ist ein Wunder, dass er überlebt hatte. Doch fragte ich mich nur: “Ist das etwa noch ein Leben? Wäre da der Tod nicht besser?” Sofort schalt ich mich für diesen Gedanken. Mein Bruder, tot? Nein, nein, das wäre noch schlimmer! Die ganze Nacht und den nächsten Tag verbrachten wir an Jakobs Bett. Dann riet uns der Arzt, doch nach Hause zu gehen um uns auszuschlafen, schließlich könnten wir eh nichts tun. Doch diese Hilflosigkeit und Nutzlosigkeit machte mich rasend. Ich konnte die Nacht nicht schlafen, viele Monate konnte ich nicht schlafen. Nach diesen Monaten sagte uns der Arzt, wir können Jakob nach Hause nehmen und ihn dort pflegen. Natürlich willigten meine Eltern sofort ein. Für Jakob gab Mama sogar ihren Job auf, schließlich musste immer jemand zu Hause sein. So veränderte der Heiligabend also unser Leben.
In Gedanken versunken stand ich in meinem Zimmer. “4 Jahre, 4 Jahre ist das schon her und mit Jakob hat sich nichts getan. Weder eine Verbesserung, noch eine Verschlechterung seines Zustandes ist eingetreten.” Natürlich hofften wir alle noch, dass er irgendwann wieder aufwacht, doch der Arzt sagt immer, dass dies nur sehr selten geschieht. Mich fröstelte es. Langsam trat ich aus meinem Zimmer heraus und ging durch den Flur hinein in das von Jakob. Alles sah hier noch genau so aus wie früher. Sogar die Glückwunschkarten, die Jakob am Morgen des 24. Dezembers vor 4 Jahren zu seinem 20. Geburtstag bekam und stolz aufgestellt hatte, standen noch in Reih und Glied auf dem Regalbrett. Mit Tränen in den Augen ging ich an Jakobs Bett heran. Ich streichelte ihm über die Stirn. “Guten Morgen, großer Bruder!” Seine Augen standen offen, doch es gab keine Reaktion. Er starrte nur an die Decke, mich schien er nicht zu bemerken. Eine Tatsache, die ich immer noch nicht akzeptiert und verstanden hatte. Egal, was ich machte, ihm einen Witz erzählen, ihm eine traurige Nachricht überbringen oder ihm einfach nur von meinem Tag zu berichten. Nie zeigte er auch nur die kleinste Reaktion. Es lies mich verzweifeln! Hörte er mich denn überhaupt? Hatte das denn alles einen Sinn? Der Doktor sagte, dass Jakob alles mitbekomme, doch ich konnte ihm nie recht glauben. Nun fing ich leise an, Happy Birthday für meinen Bruder zu singen, wie ich es schon vor drei Jahren zum ersten Mal gemacht hatte. Keine Reaktion. Ich setze mich neben ihn und strich ihm wieder gedankenverloren über die Stirn. Draußen fiel der Schnee in dicken Flocken vom Himmel. “Wenn du das sehen könntest, Jakob, wenn du nur hier wärst!” Da Jakob nur mit leerem Blick an die Decke starrte und das Winterwunderland draußen nicht sehen konnte, fing ich an, es ihm zu beschreiben. “Eine Schneeballschlacht mit dir, das wäre schon was feines!” Mit diesem hoffnungsvollen und gleichzeitig voller Traurigkeit steckenden Satz schloss ich meine Schilderung ab und ging, nachdem ich Jakob einen Kuss auf die Wange gedrückt hatte, hinunter, um Mama mit den Vorbereitungen für das Fest zu helfen. Nachdem wir im ersten Jahr nicht gefeiert hatten, entschlossen wir uns im zweiten doch dazu. Schließlich war Jakob da ja schon wieder zu Haus und Heiligabend war der einzige Tag, in dem wir ihn aus seinem Bett hievten, und im großen Rollstuhl ins Weihnachtszimmer schoben, was sich Gott sei Dank auf einer Etage mit unseren Schlafzimmern befand.
Nachdem dieses Jahr alle Arbeit getan war und gegen Abend auch das Weihnachtszimmer samt Tannenbaum dekoriert war, war es wieder so weit. Vater hob, zusammen mit unserem hilfsbereiten Nachbarn Leon, Jakob aus seinem Bett und setzte ihn in den Rollstuhl. Nachdem Leon sich verabschiedet hatte, saßen wir in trauter Viersamkeit um den Weihnachtsbaum versammelt. Der Duft der Tannenzweige und der Kerzen vermischten sich in meiner Nase. Es roch genau wie vor vier Jahren. Das Feuer im Kamin knisterte angenehm, doch die drückende Stille, die uns überfallen hatte, wollte sich nicht lösen. Sanft aber beschlossen drückte ich Jakobs Hand. "Zeit für die Bescherung!", meinte ich. Das Weihnachtsessen vorher hatten wir ausgelassen, da es uns nicht als angemessen erschien in Jakobs Gegenwart zu essen, ohne dass er es konnte. Ich stand auf. Zuerst drückte ich Papa sein Geschenk in die Hand und gab ihm einen Kuss, dann war Mama dran. Als letztes wandte ich mich Jakob zu. "Für dich!", sagte ich und umarmte ihn lange. Tränen schossen mir in die Augen. "Herzlichen Glückwunsch und frohe Weihnachten!" Ich blickte ihm in die Augen. Er starrte mich an... er starrte mich an?! Heiß durchschoss es meinen ganzen Körper. Konnte das wirklich wahr sein? Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. "Mama, Papa? Jakob... er.... er schaut mich an!" "Ach, Hannah!" Meine Mutter bekam wieder diesen Mitleidigen Gesichtsausdruck, den sie schon früher hatte, als ich immer und immer wieder felsenfest behauptet hatte, Jakob würde mich ansehen. Doch dieses Mal war ich mir ganz Sicher. Ich sah ein Flackern in seinen Augen, dass ich seit genau vier Jahren nicht mehr gesehen hatte. Langsam bewegte ich mich ein paar Schritte nach rechts, gespannt abwartend, ob Jakob mir mit seinem Blick folgen würde. Lange, schmerzliche Sekunden passierte nichts. Natürlich, es war nur wieder eines Meiner Hirngespinste, Mama hatte Recht gehabt, wie immer. Einen letzten verzweifelten Blick ließ ich zu Jakob schweifen. Da! Ganz langsam, aber sicher - ich konnte es kaum glauben - wanderten seine strahlend blauen, funkelnden Augen und hielten ihren Blick fest auf mich gerichtet. Auch Mama und Papa hatten das gesehen. Mama schlug ihre Hände vor den Mund, Papas Augen sprangen ungläubig zwischen Jakob und mir her. "Jakob, du lebst!", schrie ich laut und voller Glück. Die Tränen, die ich mir vorher noch weggewischt hatte, traten in noch größeren Mengen wieder zurück in meine Augen. Ich wusste jetzt, alles würde wieder gut werden. Nein, ich machte mir keine Illusionen darauf, dass unser Leben je wieder so wunderbar werden würde wie vorher, doch mein Herz sagte mir, dass Jakob den langen, beschwerlichen weg zurück ins Leben meistern würde. "Das ist das schönste Weihnachtswunder, dass du uns hättest machen können!", flüsterte ich leise in sein Ohr.


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