So, dies ist meine zweite fertige Kurzgeschichte.
Wie der Titel schon sagt ist sie nur zwei einhalb Seiten lang und endet danach, vielleicht werde ich sie später nochmal in was größeres mit einbauen, glaube es aber nicht...
Am neunten Dezember geht das hier auch auf Eragon online, da ich ja am Weihnachtskalender mitmache, aber bitte verratet den anderen noch nix, so weit ihr da angemeldet seid
So, hoffe nun ihr habt viel Spaß beim lesen und schreibt mir Kommentare!^^
Außerdem widme ich sie meiner geliebten Schwester Kiina, hab dich lieb Mausi! *knuddl*
Alle Rechte vorbehalten, gell?
Mein erstes Weihnachten
Die letzten Sonnenstrahlen blitzten noch hinter den Bergen hervor, während sich der Himmel immer rötlicher färbte. Allmählich verdunkelten sich die Wälder. Die Nacht hielt fortwährend Einzug über dem Land und schob den Mond immer weiter an das Himmelszelt hinauf, die ersten Sterne waren am klaren, wolkenlosen Abendhimmel zu sehen. Eine leichte Brise wehte durch das Unterholz der Bäume und brachte den Duft der Fichten und Gletscher mit sich. Ein kleiner Bach zwischen den ewigen Baumreihen plätscherte leise vor sich hin, überall lag das dünne, weiße Kleid des Schnees.
Es war ein sehr kühler Tag, an dem man merkte, dass es inzwischen endgültig Winter geworden war. Doch das störte das kleine Elfenmädchen, das am Bach saß, wenig. Sie war die kalten Winter in den Bergen gewohnt, sie lebte nun immerhin schon das vierte Jahr hier. Bisher hatte es nur wenig Schnee gegeben, was eigentlich ungewöhnlich war. Er würde sicherlich bald noch mehr werden, denn was war ein Winter und gar ein Weihnachten ohne Schnee? Es musste einfach noch mehr schneien, denn dies war das erste Weihnachten der kleinen Elfe. Obwohl sie bereits zwölf Jahre alt war, hatten sie und ihre Familie das Fest in dieser Zeit nicht gefeiert. Denn bereits kurz nach ihrer Geburt hatte der Krieg begonnen. Ihr Vater war einer der Krieger des Königs gewesen und musste damals in die Schlacht ziehen. Er war bis heute nicht zurückgekehrt. Seitdem war ihre Familie, und allgemein ihr ganzes Volk, auf der Flucht. Es hatte bisher keinen Ort gegeben, an dem die Elfen länger hatten bleiben können, als rund einen Sommer. Dann waren sie jedes Mal entdeckt worden und hatten fliehen müssen. Seit vier Jahren nun hielten sie sich in diesen Bergen auf, wechselten jedoch immer wieder ihre Standpunkte.
Nun wollten ihre Mutter und ihre große Schwester das erste Mal seit zwölf Jahren wieder Weihnachten feiern, was das kleine Mädchen sehr freute.
„Zabell! Hier bist du also!“, riss sie plötzlich eine Stimme aus ihren Gedanken.
Es war ihre Schwester Yirala.
„Mutter schickt mich, es gibt Abendbrot. Was machst du überhaupt hier? Seit Tagen finde ich dich immer nur hier am Bach.“
Zabell wandte den Blick wieder dem Wasser zu.
„Ich denke nur nach, sonst nichts.“, versicherte sie.
Die Elfe sah ihre kleine Schwester betrübt an. Sie war schon immer so gewesen. Sie wusste zwar, dass ihr das anstehende Weihnachtsfest Freude bereitete, aber sie zeigte es nicht. Dies waren die Auswirkungen des Krieges auf das Elfenmädchen. Dennoch versuchte Yirala immer wieder, sie aus sich heraus zu holen, sie dazu zu bringen, dass sie sich etwas öffnete.
„Findest du nicht, dass du für ein Kind in deinem Alter etwas zu viel nachdenkst? Du solltest eigentlich mit den anderen Kindern spielen und nicht den ganzen Tag hier sitzen.“, sagte sie und trat neben Zabell an den Bach.
„Lass mich doch. Ich bin eben nicht so wie jedes Kind, und wenn schon.“, erwiderte die Kleine genervt.
„Du bist auch nur drei Jahre älter als ich und benimmst dich fast wie Mutter.“
Yirala sah ihre kleine Schwester nachdenklich an.
Eine Zeit lang schwiegen beide, dann unterbrach sie die Stille.
„Komm bitte gleich, sonst ist das Essen kalt. Außerdem hat Mutter bereits den kleinen Tannenbaum geschmückt. Er sieht wirklich schön aus.“, meinte sie, dann stand sie auf und ging zurück in Richtung der kleinen Elfensiedlung, die auf einer Lichtung mitten im tiefsten Wald lag. Zabell sah ihr kurz nach, dann stand sie auf und ging ebenfalls in Richtung der Häuser zurück.
Inzwischen war es Nacht geworden über den Wäldern und das Dorf der Elfen lag in tiefem Schlaf. Der Mond erhellte die Berge in seinem geheimnisvollen Licht. Auch war es bitterkalt geworden, so dass Zabell in drei Wolldecken gekuschelt hatte. Sie schlief unruhig in dieser Nacht, immer wieder wachte sie auf. Gerade, als der Mond so stand, dass er sein Licht in ihr Zimmer fallen ließ, wachte sie erneut auf. Sie setzte sich auf und rieb ihre müden Augen. Doch da bemerkte sie, dass irgendetwas nicht stimmte. Warum war ihre Mutter so spät noch wach? Sie sah das Licht aus ihrem Zimmer unter dem Türrahmen hervor blitzen. Da hörte sie Schritte, die sich ihrem Zimmer näherten, und nur ein paar Sekunden später ging die Türe auf. Es war Yirala, die mit ängstlichem Gesicht in ihr Zimmer gestürzt kam. Mit schnellen Schritten kam sie zu Zabell ans Bett und hob sie aus den Decken.
„Los, beeil dich und zieh dich an, schnell!“
Das Elfenmädchen tat wie ihr geheißen, doch ihr Herz hämmerte aufgeregt in ihrer Brust und eine Frage nach der anderen schoss ihr durch den Kopf.
„Aber warum, was ist denn los?“, rief sie aufgeregt.
Sie sah ihre Mutter im Raum neben an hektisch einige Lebensmittel in ein Bündel packen, das sie anschließend eilig zuschnürte.
„Verdammt, was ist hier los?“
Yirala blieb wie angewurzelt stehen. Sie war gerade dabei gewesen, einige Decken zusammen zu packen. In ihren Augen war die nackte Angst zu sehen. Man merkte ihr an, dass sie nicht wusste, was, oder wie sie es ihr sagen sollte. Doch sie konnte es nicht mehr verheimlichen, sie würde es so oder so erfahren.
„Unsere Späher haben in den Bergen feindliche Krieger entdeckt, die wahrscheinlich auf dem Weg hier her sind.“
Die Worte der jungen Elfe schlugen bei der Kleinen ein, wie ein Pfeilhagel. Sie wandte den Blick ruckartig zu dem kleinen Weihnachtsbaum um, der schön glitzernd da stand.
„Aber… morgen… da ist doch Weihnachten!“
Zabell sah abwechselnd ihre Mutter und ihre Schwester an. Beide warfen sich einen betrübten Blick zu, dann kam ihre Mutter zu ihr.
„Wir können es nun einmal nicht ändern, Schatz.“, sagte sie liebevoll.
„Aber ich verspreche dir, ich werde bald nachkommen und mich beeilen. Dann können wir trotz allem Weihnachten feiern.“
Sie lächelte ihre Tochter an und auch Zabells Lippen umspielte ein Lächeln. Ihre Mutter stand schließlich wieder auf und drückte Yirala ein Päckchen in die Hand. Sie gab ihren Töchtern einen Kuss und schob sie dann aus dem Haus. Die Kleinere wandte sich noch einmal zu dem kleinen Baum um. Traurig sah sie ihn an, dann folgte sie den anderen beiden hinaus. Dort wartete ihre Schwester bereits auf sie, bereit, in Richtung der Wälder auszubrechen. Aber Zabell drehte sich nochmals zu ihrer Mutter um.
„Aber warum kommst du denn nicht gleich mit uns, Mama?“, fragte sie.
Dabei sah sie ihre Mutter aus ihren großen, glänzenden Augen, flehend an. Ihre Mutter musste einfach mitkommen, sie durfte nicht hier bleiben! Doch sie blickte nur traurig zu ihrer Tochter hinab. Sie wollte gerade etwas sagen, da waren auf einmal Schreie aus einem nahe gelegenen Teil der Siedlung zu hören. Alarmiert sah die Elfenfrau zu ihrer älteren Tochter. Yirala verstand auch ohne Worte, was nun zu tun war. Sie packte Zabell am Arm und zog sie mit sich.
„Nein, wir dürfen Mama nicht zurücklassen! Bleib stehen, bitte!“, kreischte das kleine Elfenmädchen verzweifelt.
Sie zog und zerrte an dem Arm, den ihre Schwester jedoch weiterhin festhielt.
„Hör jetzt auf dich zu wehren und komm mit!“, versuchte sie die Kleine verzweifelt zu beruhigen.
Zabell steigerte sich immer weiter in ihre Angst hinein, doch mit einem Mal wehrte sie sich nicht mehr gegen ihre große Schwester, sondern blieb wie angewurzelt stehen.
„Bitte, es bringt nichts…“
Yirala, die sich zu ihrer Schwester umgewandte hatte, brach mitten im Satz ab. Das Elfenmädchen starrte wie hypnotisiert an die Stelle, an der ihre Mutter eben noch gestanden hatte. Sie folgte ihrem Blick, und auch sie entdeckte das Grauen, das Zabell daran gehindert hatte, sich weiter zu wehren.
Da lag ihre Mutter, blutüberströmt und mit mehreren Pfeilen im Rücken.
Das durfte nicht sein… das durfte einfach nicht sein! Sie wollten doch Weihnachten zusammen feiern, ihr aller erstes! Die Geschwister spürten, wie ihnen die Tränen in die Augen stiegen. Kurz darauf entwich der Kehle der Jüngeren ein Klageschrei. Sie sank schluchzend auf die Knie, krallte ihre Fingernägel in ihre Handflächen, bis sie bluteten. Doch plötzlich verstummte sie, als ihr Haus vor ihren Augen in Flammen aufging. Das Feuer spiegelte sich in ihren verweinten Augen wider, die Hitze schlug ihr in das Gesicht, doch sie spürte es kaum. Und selbst, wenn sie verbrennen würde, so, wie der kleine Tannenbaum mit seinem schönen Schmuck, es wäre ihr egal. Eine der beiden Personen, die sie am meisten liebte, war tot, und es würde sich niemals mehr etwas daran ändern. Bitter schluchzend lag sie am Boden, bis Yirala zu ihr kam und sie zwang, auf zu stehen. Sie hob sie hoch, in ihre Arme, und verschwand, ebenfalls unter Tränen, mit ihr im Wald.
Sie liefen die ganze Nacht hindurch, bis es begann zu dämmern. Erst dann verlangsamten sie ihre Schritte und ließen sich auf einem Baumstamm nieder. Wieder begannen sie zu weinen, doch nach einiger Zeit versiegten ihre Tränen und sie saßen wie in Trance da. Die Kälte um sie herum störte sie nicht, und auch, als es begann, dicke Schneeflocken zu schneien, reagierten sie nicht. Es war ihnen alles egal.
Denn das war es gewesen, ihr erstes Weihnachten.